Veröffentlicht am Montag, 27. Oktober 2008 um 09:17
Letztes Teilstück nach acht Jahren Bauzeit eröffnet Neue Kanal-Brücke ermöglicht ab 2009 Weiterfahrt in den Emscherbruch
Metropole Ruhr. Zum Abschluss des “Fahrradsommers der Industriekultur” hat der Regionalverband Ruhr (RVR) den letzten, nördlichen Abschnitt der Erzbahntrasse freigegeben. Damit ist der beliebte Rad- und Wanderweg in der mittleren Metropole Ruhr nun durchgehend befahrbar. Der Regionalverband hat in den vergangenen acht Jahren die insgesamt rund zehn Kilometer lange, ehemalige Werksbahntrasse zwischen der Jahrhunderthalle in Bochum und dem Hafen Grimberg am Rhein-Herne-Kanal Zug um Zug ausgebaut.
Heute können - wo früher schwere Erzzüge fuhren - Radler kreuzungsfrei über zahlreiche historische und neue Stahlbrücken radeln. Die ungewöhnliche Streckenführung über den hochgelegenen ehemaligen Bahndamm ermöglicht dabei interessante Einblicke in die Stadtlandschaft der Metropole Ruhr rechts und links der Trasse. Insgesamt hat der RVR in den Umbau der Erzbahntrasse in einen Rad- und Wanderweg 20 Millionen Euro investiert. Zu den umfangreichen Arbeiten gehörte unter anderem der Bau von sieben neuen Brücken. 18 der insgesamt 25 Brückbauwerke entlang der Trasse wurden saniert. Zu den imposantesten Bauten der Erzbahn gehört die so genannte „Pfeilerbrücke” im Städtedreieck zwischen Bochum, Gelsenkirchen und Herne. Die “Brücke auf Stelzen” ist neun Meter hoch und 265 Meter lang.
Auf dem 2,5 Kilometer langen Nordabschnitt von der Wilhelmstraße in Herne-Wanne bis zur Kanalbrücke im Hafen Grimberg musste lediglich die Brücke über den Hüller Bach neu gebaut werden. Die Kosten für das letzte, nun befahrbare Teilstück belaufen sich auf rund eine Millionen Euro. Wie der gesamte Umbau der Erzbahntrasse wurden auch diese Maßnahmen von der Europäischen Union und dem Land NRW gefördert. Rund zehn Prozent der Mittel kommen aus dem Etat des Regionalverbandes.
“Fahrradsommer der Industriekultur” wird fortgesetzt
Die komplette Freigabe der Erzbahntrasse ist gleichzeitig der Abschluss der RVR-Aktion “Fahrradsommer der Industriekultur”. Mit insgesamt gut 400 aktiven Teilnehmern erwiesen sich die sieben geführten Radtouren des Fahrradsommers als attraktives Tourenangebot, um die Vielfalt der industriellen Kulturlandschaft der Metropole Ruhr im wahrsten Sinne zu erfahren und zu entdecken.
Die abwechslungsreichen Touren zwischen Duisburg und Unna, Hagen und Marl, die der RVR in Kooperation mit dem ADFC entwickelt hatte, verliefen weitgehend auf der “Route der Industriekultur”, mit zahlreichen Ankerpunkten und industriekulturellen Sehenswürdigkeiten rechts und links der Strecken.
Zum Auftakt des “Fahrradsommer der Industriekultur” nahmen im Mai mehr als 2.000 Radler an einem bunten Fest rund ums Rad an der Jahrhunderthalle Bochum teil. Der RVR will den “Fahrradsommer der Industriekultur” auch im nächsten Jahr fortsetzen.
Erzbahn bekommt Brückenschlag über den Rhein-Herne-Kanal
Am Hafen Grimberg ist für die Radler auf der Erzbahntrasse ab 2009 aber noch lange nicht Schluss: Eine elegant geschwungene Rad- und Fußgängerbrücke verbindet die ehemalige Werksbahn mit dem Emscherbruch im nördlichen Teil der Metropole Ruhr. Dann können die Radtouren zum Beispiel bis zur Halde Hoheward an der Stadtgrenze Herten/Recklinghausen fortgesetzt werden. Am letzten Wochenende (25./26. Oktober) sind große Teile der Brücke mit einem Schwimmkran montiert worden.
Die sichelförmige Stahlkonstruktion vom Ingenieurbüro Schlaich Bergermann und Partner aus Stuttgart überquert den Rhein-Herne-Kanal in einem halbkreisförmigen Bogen. Nur an einem 48 Meter hohen Stahlpylon auf der Nordseite des Kanals hängend, hat die geschwungene Brücke eine Spannweite von rund 150 Metern. Die nördliche, 37 Meter lange Rampe wird durch Betonstützmauern gebildet, die südliche, 34 Meter lange Rampe als Erddamm hergestellt. Verbaut werden über 600 Kubikmeter Beton und 235 Meter Großbohrpfähle für die Widerlager sowie 400 Tonnen Stahl und 465 Meter Seil für die Hängekonstruktion.
Die Baukosten belaufen sich auf rund vier Millionen Euro. Finanziert wird die Baumaßnahme aus Mitteln des Ökologieprogramms Emscher Lippe und Eigenmitteln des RVR. Rechtzeitig zum Auftakt der Fahrrad-Saison 2009 wird die neue Brücke über den Rhein-Herne-Kanal im Frühjahr eröffnet.
von S. Hilling